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Bereits am nächsten Tag bereitete Gunter seinen neuen Kindern schnurgerade Beete in der dunklen Erde seines entlegensten Feldes. Die Getreidemissernten der letzten Jahre hatten die Preußen hart gebeutelt. Umso mehr verwunderte es ihn, dass die Erdäpfel einen so schlechten Ruf im Lande litten.
„Hey Gunter, was machst du da?“
Er zuckte die Schultern. Nichts lag ihm ferner, als sein Vorhaben an die große Glocke zu hängen. Wenn es misslang, würde er zum Gespött des ganzen Dorfes werden. Fritz musterte ihn aus zusammengekniffenen Augen. „Du hast doch was vor! Seh ich dir an, kenne dich schließlich lange genug.“
Gunter knetete seine Hände. „Also weißt du, ich, ähm ...“
Der Frager zog beleidigt die Mundwinkel nach unten. „Schon gut, wenn du ein Geheimnis draus machen willst. Ich bin nicht neugierig.“
Gunter seufzte. „Versprich, dass du niemandem etwas verrätst!“
Fritz warf ihm einen bösen Blick zu. „Bin ich etwa ein Waschweib?“
Eben das war Gunters Problem, aus Erfahrung wusste er, dass Stillschweigen nicht unbedingt zu den Vorzügen seines besten Freundes gehörte. Er zögerte, während Fritz aufgeregt von einem Bein aufs andere hüpfte. „Nun sag schon, ich erzähl`s keiner Menschenseele!“
Gunter gab sich einen Ruck, unter dem Siegel der Verschwiegenheit gab er sein Geheimnis preis. Je länger er redete, umso mehr zeichnete sich Verblüffung auf dem Gesicht seines Zuhörers ab. Als er endete, hatten Fritz` Augenbrauen fast den Haaransatz erreicht. „Du hast sie gestohlen? Von des Königs Feldern?“
Eine Weile hörte man nur das Zwitschern der Vögel aus dem nahen Waldstück. Dann schnaubte Fritz. „Alle Achtung hätt ich dir gar nicht zugetraut!“
Gunter zuckte zusammen, ob dieser Missachtung seiner Person. Er ließ seinem Freund Zeit zum Nachdenken und widmete sich indessen seiner Arbeit. Fritz lehnte am Gatter und beobachtete ihn argwöhnisch, als verbuddele er Knochen anstelle der Knollen.
„Du glaubst tatsächlich, dass es gelingt, nicht wahr?“
Gunter richtete sich auf. „Was hab ich denn zu verlieren? Hunger tut weh!“
Sein Freund antwortete nicht, seine Stirn lag in Falten, als denke er angestrengt nach. Dann hatte er einen Entschluss gefasst, und wie Fritz eben war, krempelte er grinsend die Ärmel hoch. „Na ja, bevor ich hier herumstehe, kann ich dir ebenso gut helfen. Und übrigens, falls sie doch ungenießbar sind - ich hab gehört, man kann einen hervorragenden Schnaps daraus brennen!“