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An einem Tag im Spätsommer geschah das Unvermeidliche. So versteckt der Acker auch lag, so war er doch nicht unsichtbar. Von einem Tag auf den anderen entwickelte sich sein gut gehütetes Geheimnis zum Dorfgespräch. Immer mehr Leute schlenderten wie zufällig zum Waldrand, um einen Blick auf die merkwürdigen Pflanzen zu erhaschen. So viel dumme Bemerkungen hatte Gunter sein Lebtag noch nicht einstecken müssen. So manches Mal kostete es ihn alle Mühe, keine geharnischte Antwort zu geben. An einem sonnigen Tag, er häufelte gerade die Erde auf, unterbrach eine heisere Stimme ihn bei der Arbeit.
„Heda Gunter. Wie geht´s denn?“
Er unterdrückte einen Seufzer, als er den alten Hubert erkannte, der wie er wusste, zu den ärgsten Widersachern des Tartoffelanbaus gehörte.
„Haben die Leute ja recht mit ihrem Gerede!“
Gunter hielt den Blick gesenkt, ihm stand nicht der Sinn nach einer Grundsatzdiskussion. Vielleicht würde der Störenfried ja weitergehen, wenn er ihn ignorierte. Konzentriert fixierte er seine Hacke.
„Nicht mal die Kühe fressen das Zeug!“
Gunter ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, obwohl es ihn in Fingern juckte.
„Man sagt, dass schon welche daran gestorben sind - pures Gift. Pfui Spinne!“ Hubert spuckte aus.
„So ein Unsinn!“ Gunter hätte sich in den Hintern beißen mögen, doch es war zu spät. Wie erwartet stachelte seine Antwort Hubert zu einem volltönenden Monolog an.
„Wegen dieser Dinger sollen wir die Dreifelderwirtschaft drangeben! Jahrhunderte lang hat es funktioniert und jetzt soll auf einmal alles anders sein? Elende Hackfrüchte!“ Noch einmal spie er angewidert aus, diesmal mitten ins Tartoffellaub. Gunter platzte der Kragen. „Du selbstgerechter alter Narr! Weshalb muss denn alles Neue schlecht sein? Ich hab gehört, der König lässt sich jeden Tag ein Gericht aus Tartoffeln servieren, also sollten sie ja wenigstens genießbar sein.“
„Pah - für Schweine vielleicht, aber nicht für Menschen! Diese unseligen Dinger sind höchstens gut als Zierblumen im Pfarrersgarten!“
„Was wollt ihr in meinen Garten pflanzen?“