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Es dauerte kaum einen Monat, da stand Fritz in Gunters Scheune. Er trat von einem Fuß auf den anderen und brachte kein gescheites Wort heraus. Gunter räusperte sich ungeduldig. „Nun spuck`s schon aus, was willst du?“
„Meine Maria schickt mich, dich zu fragen ... Äh, sie meint, wir könnten doch auch einmal probieren ...“ Er verstummte, als wenn sich die Worte in seinem Mund quergestellt hätten.
„Na was denn? Was lässt deine Frau fragen?“
Fritz murmelte etwas Unverständliches.
„Mann, nun red doch nicht länger um den heißen Brei herum. Was ist los?“
„Sie will die Tartoffeln versuchen! Das ist los!“ Fritz spuckte auf den Boden. „Die ganze Zeit hat sie gewettert und nun macht ihr deine Lisbeth jeden Tag die Nase lang und erzählt von all den wohlschmeckenden Gerichten. Die Frauen soll einer verstehen.“
Gunter brach in Lachen aus, so sehr sprach ihm sein Freund aus der Seele. „Ach so, wenn´s weiter nichts ist. War ne gute Ernte!“

Fritz blieb nicht der Einzige, der die Tartoffel kosten wollte. Und was der Alte Fritz nicht geschafft hatte, erledigte Lisbeth in kürzester Zeit. Einfach, indem sie hemmungslos vom erlesenen Geschmack und den vielfältigen Zubereitungsarten der neuen Frucht schwärmte. Und obwohl seine Frau im Laufe der nächsten Monate noch viele wohlschmeckende Gerichte kreierte, würde Gunter ihre erste Mahlzeit stets unvergesslich bleiben. Der Abend, an dem die Familie genau wie in seinem Traum um die dampfende Schüssel goldener Äpfel versammelt saß.