www.Wort-Licht.de



Am Treffpunkt wartete er. Stunden schienen zu vergehen und er konnte kaum still sitzen. Endlich hob er die Schnauze in die Luft und erhaschte eine Witterung. Wie ein Blitz schoss er aus dem Gebüsch und umkreiste das, was von seinem Rudel übrig geblieben war. Erbärmlich sahen sie aus, rochen nach Schmutz. Doch ihre Augen leuchteten. Er schmiegte sich an Mutter, die ihn liebevoll mit der Schnauze berührte.
„Wo ist Tavor?“
„Der Hund? Er ist zurück geblieben, wollte kein Aufsehen erregen.“
„Aber...“
„Hier ist sein Zuhause, Sohn. Er kann nicht mit uns kommen. Er ist zahm.“
Romer nahm sich vor, später zu fragen, was das bedeuten sollte. Ebenso, wie er später alle Einzelheiten über die Befreiung wissen wollte. Doch dafür blieb mehr als genug Zeit.

Eine Handvoll Wölfe, unter ihnen ein Albino, liefen hoheitsvoll durch die Nacht, bis sie die Hütten weit hinter sich gelassen hatten. Der Weiße  stieß ein lautes Heulen aus, und die anderen fielen ein. Ihre Stimmen hallten weit über die Ebene.

Im Menschendorf sollte noch Jahre später hartnäckig das Gerücht über den Geist eines weißen Wolfes kursieren, der auf geheimnisvolle Art seine gefangenen Brüder befreit hatte. Seit diesem Tag mieden die Jäger das Territorium der Wölfe.